Die DHB-Männer ziehen mit ihrer besten Turnierleistung gegen Titelverteidiger Frankreich ins Halbfinale der Handball-EM 2026 ein – auch weil bei Spielmacher Juri Knorr (10 Tore) endlich der Knoten platzt. Das war fabelhaft und stark!
Wer zeigt heute Deutschland gegen Frankreich live?
Das Handball-EM-Spiel Deutschland gegen Frankreich aus Herning wird live im Free-TV im ZDF und im Livestream gezeigt. Wir berichten im Liveticker!





DHB-Männer bezwingen Frankreich
Juri Knorr ballte schon kurz vor der Schlusssirene die Siegerfaust, dann gab es bei Deutschlands Handballern kein Halten mehr – der Gold-Traum lebt! Angeführt vom überragenden Spielmacher Knorr ist das Team von Bundestrainer Alfred Gislason ins EM-Halbfinale gestürmt. Das DHB-Team entthronte Titelverteidiger Frankreich im Hauptrunden-Finale von Herning dank einer Offensiv-Gala und am Ende starker Nerven mit 38:34 (19:15) und greift zehn Jahre nach dem Coup von Krakau wieder nach Europas Handball-Krone.
„Wir haben echt gut gespielt, der Spielfluss war da“, sagte Renars Uscins im ZDF: „Es war eine super Mannschaftsleistung. Wir sind einfach nur froh, und jetzt bleiben noch zwei große Aufgaben, die nächsten beiden Spiele werden intensiv.“ Das deutsche Team zeigte im „Alles-oder-Nichts“-Spiel am Freitagabend seine beste Turnierleistung. Vor allem Rückraumspieler Knorr brillierte gegen die hoch gehandelten Franzosen. Der Mann mit dem Zopf, der bei der EM bislang hinter den großen Erwartungen geblieben war, dirigierte geschickt das Angriffsspiel und strahlte zu jeder Zeit Torgefahr aus.
Am Ende avancierte Knorr vor 10.850 Zuschauern in der Jyske Bank Boxen mit zehn Toren zum besten deutschen Werfer. Ausschlaggebend für den nächsten großen Sieg gegen den WM-Dritten waren in der Schlussphase auch die guten Nerven. Als Frankreich sieben Minuten vor dem Ende bis auf ein Tor herankam, blieben Kapitän Johannes Golla und seine Mitspieler cool. Dieser Wille war dem deutschen Team von Beginn an anzumerken. Mit Wolff, der nach dem Dänemark-Dämpfer in die Startformation zurückkehrte, im Tor und ganz viel Offensivdrang legte die DHB-Auswahl los. Hinten machte Franzosen-Star Dika Mem der deutschen Deckung zwar zu schaffen, doch die Angriffseffektivität war diesmal top.
Als nach ausgeglichener Anfangsphase (7:7) auch die deutsche Deckung auf Betriebstemperatur kam, acht Minuten ohne Gegentreffer blieb und dazu Wolff nach einer Viertelstunde noch die ersten Bälle zu fassen bekam, setzte sich Deutschland binnen kurzer Zeit auf 11:7 (18.) ab. „Angriff ist super. Da machen wir weiter unser Ding nach vorn“, sagte Gislason: „Unser Problem war bislang nur Dika Mem. In der zweiten Welle versuchen wir den offensiver anzunehmen, ansonsten ist die Abwehr da. Andi ist super.“ Gesagt, getan. Vor allem Kreisläufer Justus Fischer und der eingewechselte Knorr drehten nun richtig auf. Das Tor zum 15:11 (25.) bedeutete Knorrs fünften Treffer im fünften Versuch, zur Pause stand er sogar bei sechs. „Wir brauchen weiter Kompaktheit, Härte und Intensität“, sagte Matthes Langhoff in der Halbzeit im Zweiten: „Wir müssen weiter voll fokussiert sein, 100 Prozent geben und keinen Schritt zurückweichen.“
Dies beherzigte allen voran Knorr. Als er mit seinem Treffer beim zehnten Wurf zum 24:19 (35.) einnetzte, musste selbst er kurz grinsen. Doch Frankreich ließ sich nicht entmutigen und robbte sich wieder heran. Weil das DHB-Team und auch Knorr sich nun einige Fehlwürfe erlaubten, schmolz die Führung bis zwölf Minuten vor dem Ende bis auf ein Tor (29:28). Die deutsche Mannschaft ließ sich von der aufkommenden Hektik aber nicht anstecken und profitierte zudem von einigen Pfostentreffern des Kontrahenten. Einen möglichen Ausgleich verhinderte Wolff sechs Minuten vor dem Schlusspfiff.
Deutschland – Frankreich 38:34 (19:15).
Deutschland: Späth, Wolff – Knorr (10 Tore), Uscins (5), Golla (4), Grgic (4), Mertens (4), Fischer (3), Zerbe (3), Köster (2), Lichtlein (2/2 Siebenmeter), Semper (1), Häseler, Kohlbacher, Langhoff, Schluroff. Frankreich: Bolzinger, Desbonnet – Mem (11), Descat (9/3), Minne (5), Fabregas (3), Lenne (3), Briet (2), Prandi (1), Bos, Konan, Kounkoud, Nahi, Peleka, Richardson, Tournat. Schiedsrichter: Marko Boricic, Dejan Markovic (Serbien). Strafminuten: 4 – 2. Zuschauer: 10.850 in Herning.
Liveticker: Deutschland gegen Frankreich
Unser Liveticker zum Hauptrunden-Spiel zwischen Deutschland gegen Frankreich beginnt am Mittwoch, den 28. Januar 2026. Unser Tipp: Während des Spiels könnt ihr die einzelnen Aktionen mit euren Interaktionen füttern, an Umfragen teilnehmen, in einem Quiz euer Wissen testen und dadurch interaktiv an dem Spiel teilnehmen.
Das ist die Ausgangslage vor dem „Viertelfinale“ Deutschland gegen Frankreich
Nach der Niederlage gegen Dänemark kommt es nun am letzten Spieltag der Hauptrunde, was einem Viertelfinale gleicht, zum finalen Duell mit Titelverteidiger Frankreich. Gastgeber Dänemark hat den Einzug ins Halbfinale bereits sicher. Auch wenn die DHB-Männer spielerisch besser auftraten als noch gegen Norwegen, führten zu viele Fehler und Holztreffer am Ende zu einer Niederlage mit fünf Toren Unterschied. Die Chancen waren vorhanden, doch Deutschland bekam Dänemark nicht entscheidend in den Griff und konnte das Spiel nicht offen halten.
In der Tabelle steht Deutschland aktuell auf Rang zwei hinter Dänemark, beide Teams haben sechs Punkte. Durch den gewonnenen direkten Vergleich ist den Gastgebern Platz eins nicht mehr zu nehmen. Frankreich folgt mit vier Punkten auf Rang drei und kann mit einem Sieg gegen Deutschland noch am DHB-Team vorbeiziehen. Für Portugal, Norwegen und Spanien sind der Halbfinaleinzug hingegen bereits außer Reichweite.
Wie wird Bundestrainer Gislason aufstellen?
Bundestrainer Alfred Gislason überraschte im Spiel gegen Dänemark mit seiner Aufstellung. Nach Wolffs überragenden Auftritt gegen Portugal durfte zunächst David Spät im Tor ran. Spät hielt den Platz fast über die gesamte Spielzeit, Wolff kam nur in den letzten Minuten aufs Feld. Das sorgte für so einiges Stirnrunzeln. Spät zeigte eine stabile Leistung: Vor allem in der ersten Halbzeit parierte er stark und hielt einige Bälle der Dänen. Wolff bringt allerdings immer eine zusätzliche mentale Komponente ins Spiel. Experte Dominik Klein bezeichnet ihn als „Mentalitätsmonster“ und meinte im Sportschau-Podcast: „Man hätte schauen sollen, ob Wolff da weitermacht, wo er gegen Norwegen aufgehört hat.“ Wolff kann Gegner auf besondere Weise unter Druck setzen und sein Team auf eine ganz eigene Art motivieren.
Erwartet wurde zudem, dass Nils Lichtlein den Rückraum übernimmt und Miro Schluroff im Angriff glänzt: beide Spieler behielt Gislason jedoch weitgehend auf der Bank. Mit einem so breiten Kader stehen dem Bundestrainer viele Optionen offen. Es bleibt spannend, wer gegen Frankreich auflaufen wird.
Frankreich verlor überraschend gegen Spanien
Vor dem deutschen Spiel am Montag ließen die Franzosen überraschend zwei Punkte gegen Spanien liegen. Frankreich ist bekannt für sein dynamisches Tempospiel, doch gegen das Tabellenschlusslicht Spanien unterliefen den Franzosen zu viele Fehler. Auch wenn für die Spanier der Einzug ins Halbfinale bereits außer Reichweite war, zeigte das Team noch einmal eine starke Offensivleistung. Frankreichs Torhüter Remi Desbonnet verhinderte nach seiner Einwechslung in der zweiten Halbzeit eine absolute Pleite und parierte sechs wichtige Würfe. Superstar Dika Mem startete schwach in die Partie und blieb ohne Treffer aus vier Würfen. Stärkster Torschütze der Franzosen war Rückraumspieler Aymeric Minne mit sieben Treffern. Am Ende verlor Frankreich mit 36:32. Für die DHB-Männer bedeutet die Niederlage, dass ein Unentschieden am Mittwoch ausreicht. Aber natürlich geht das DHB-Team auf Sieg!
DHB-Gegner Frankreich im Fokus
Im bisherigen Turnierverlauf zeigte Frankreich wechselhafte Leistungen, doch vor allem gegen Portugal bewies das Team seine Stärke und gewann klar mit 46:38. Dabei stellten die Franzosen einen historischen EM-Rekord auf. Zum ersten Mal traf eine Mannschaft 28 Mal in einer Halbzeit. Frankreich ist offensiv brandgefährlich, doch die Spiele gegen Dänemark und Spanien zeigen: Das Team ist auch besiegbar.
Frankreich geht bei dieser EM erstmals ohne Top-Handballer Nikola Karabatic und Vincent Gérard ins Rennen. Trainer Guillaume Gille hat seit den Olympischen Spielen vor 18 Monaten die Verantwortung im Team neu verteilt: Rückraumspieler Aymeric Minne, Dika Mem, Thibaud Briet im linken Rückraum und Torhüter Charles Bolzinger übernehmen seitdem zentrale Rollen. Frankreich war schon immer ein Handballgigant: 17 EM-Teilnahmen, Goldmedaillen 2006, 2010, 2014 und 2024 sowie Bronze 2008 und 2018. Bei der letzten Weltmeisterschaft 2025 sicherten sie sich den dritten Platz.
(KF)
