Die DHB-Männer hüpften schon vor der Schlusssirene an der Seitenlinie auf und ab, dann gab es kein Halten mehr: Die Medaille ist sicher, jetzt geht es sogar um Gold! Deutschland greift bei der Handball-EM 2026 nach seinem ersten Titel seit zehn Jahren. Die Mannschaft von Bundestrainer Alfred Gislason besiegte Angstgegner Kroatien nach einer mitreißenden Vorstellung im Halbfinale von Herning mit 31:28 (17:15) und kann sich am Sonntag im Finale zum dritten Mal nach 2004 und 2016 zum Europameister krönen.





Wer zeigt heute Deutschland gegen Kroatien live?
Das Handball-EM-Spiel Deutschland gegen Kroatien aus Herning wird live im Free-TV in der ARD und im Livestream gezeigt. Wir berichten im Liveticker!
Deutschland stürmt gegen Kroatien ins Finale
Das deutsche Team, das seine insgesamt fünfte EM-Medaille nun bereits sicher hat, brillierte am Freitagabend mit einer famosen Teamleistung. Die Abwehr um ihren starken Torhüter Andreas Wolff ließ die Kroaten in der zweiten Halbzeit regelrecht verzweifeln. Vorne spielten sich der erneut überragende Mittelmann Juri Knorr und seine Mitspieler vor 15.000 Zuschauern in der ausverkauften Jyske Bank Boxen zeitweise in einen wahren Offensivrausch.
Als Lukas Mertens acht Minuten vor dem Ende das 28:23 erzielte, begann unter den deutschen Fans auf der Tribüne bereits die große Final-Party. Ausgerechnet gegen Dagur Sigurdsson, den heutigen kroatischen Nationaltrainer und damaligen DHB-Coach, gelang der erste Einzug in ein EM-Endspiel seit 2016. Zum besten deutschen Torschützen avancierte Rechtsaußen Lukas Zerbe mit sechs Treffern. Im Finale am Sonntag wartet entweder Weltmeister und Olympiasieger Dänemark oder Island. Bei allen Emotionen zeigten beide Teams von Beginn an auch sportlich ihre Qualitäten – und lieferten sich eine absolut ausgeglichene Anfangsphase. Hinten verrichteten Kapitän Johannes Golla und seine Mitspieler gegen die kroatischen Rückraumkanten Schwerstarbeit, vorne zog Knorr mit viel Tempo und Übersicht die Fäden. Dabei ließ sich der Regisseur auch von der offensiven Spitze in Kroatiens Deckung nicht aufhalten. Ob als Torschütze, Vorbereiter oder ordnende Hand: An den meisten deutschen Tore war Knorr beteiligt.
Zunächst waren es die Kroaten, die mit ihrer Sieben-gegen-Sechs-Angriffsvariante immer wieder vorlegten. Doch die DHB-Auswahl konterte stets postwendend. Nach einem sehenswerten Kempa-Trick abgeschlossen von Renars Uscins nach Pass von Lukas Mertens zum 4:4 applaudierten sogar die kroatischen Fans. Wenig später sorgte Julian Köster im Tempogegenstoß für die erste deutsche Führung (7:6) und Torhüter Andreas Wolff parierte einen Siebenmeter. Vor den Augen von Hollywood-Schauspieler Mads Mikkelsen blieb es aber auch in der Folge ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit ständig wechselnder Führung. Als Lukas Zerbe auf 15:13 stellte, lag das deutsche Team erstmals mit zwei Toren vorn (26.). Vom Plan gehe „relativ viel“ auf, sagte Kreisläufer Julius Fischer in der Halbzeitpause im Ersten: „Das ist eine sehr gute Ausgangslage für die zweite Halbzeit. Wir müssen noch besser das Sieben-gegen-Sechs aus dem Rückraum verteidigen.“
Die Ausgangslage wurde nach Wiederbeginn noch besser. Wolff bekam hinter der robusten Deckung gleich wieder die Hand an den Ball – und in der Offensive nutzte die DHB-Auswahl ihre Chancen weiter konsequent. Golla sorgte beim 22:16 (37.) schnell für ein beruhigendes Sechs-Tore-Polster. „Ein Wahnsinns-Start der deutschen Mannschaft“, jubelte Co-Kommentator Johannes Bitter in der ARD. Sigurdsson reagierte mit einer Auszeit. „Überragend! Wir zermürben sie mit der Abwehr“, rief Gislason seinem Team zu. Golla mahnte: „Wir haben noch nichts gewonnen.“ Kurz danach beendete Diano Cesko eine rund siebenminütige Durststrecke der Kroaten ohne eigenen Treffer. Doch Gislasons Mannen ließen nicht nach. Mit der sicheren Medaille vor Augen mobilisierte Deutschland im achten Spiel binnen 16 Tagen insbesondere in der Abwehr neue Kräfte und verteidigte leidenschaftlich. Kroatien kam noch einmal auf 28:30 heran, doch es reichte nicht. Der Rest war eine deutsche Handball-Party.
Deutschland – Kroatien 31:28 (17:15).
Deutschland: Wolff, Späth – Zerbe (6/2 Siebenmeter), Fischer (4), Golla (4), Knorr (4), Mertens (4), Uscins (4), Köster (3), Lichtlein (1/1), Semper (1), Dahmke, Grgic, Kohlbacher, Langhoff, Schluroff. – Kroatien: Kuzmanovic, Matej Mandic – Lucin (6/2), Klarica (5), Martinovic (5), Nacinovic (3), Rauzan (3), Sostaric (3), Cesko (1), Jelinic (1), David Mandic (1), Cindric, Glavas, Mamic, Maras, Susnja. Schiedsrichter: Bojan Lah, David Sok (Slowenien). Strafminuten: 0 – 2. Zuschauer: 15.000 (ausverkauft) in Herning.
Liveticker: Deutschland gegen Kroatien
Unser Liveticker zum Halbfinale zwischen Deutschland gegen Kroatien beginnt am Freitag, den 30. Januar 2026. Unser Tipp: Während des Spiels könnt ihr die einzelnen Aktionen mit euren Interaktionen füttern, an Umfragen teilnehmen, in einem Quiz euer Wissen testen und dadurch interaktiv an dem Spiel teilnehmen.
DHB-Männer wollen ins Finale
Auch Bundestrainer Alfred Gislason war erleichtert. Sein Team hat das ausgerufene Ziel Halbfinale in der Hauptrunden-„Todesgruppe“, wo neben den Franzosen auch Weltmeister Dänemark, Norwegen, Spanien und Portugal die DHB-Gegner waren, erreicht. „Jetzt ist unser Ziel, in das Finale zu kommen. Dafür müssen wir in zwei Tagen genauso spielen wie heute“, sagte der DHB-Coach nach der Offensiv-Gala seines Teams.
Jannik Kohlbacher, einer von drei verbliebenen 2016er-Europameistern im Kader, musste mit Blick auf das Halbfinale am Freitag an den Coup von Krakau zurückdenken. „Es wurde ja im Vorfeld schon ein bisschen angepriesen, dass es jetzt zehn Jahre her ist. Es wäre doch schön, es zu wiederholen“, sagte der Kreisläufer der Rhein-Neckar Löwen. Die Formel dafür? „Ganz einfach: zweimal gewinnen.“
Deutschland hat bislang zweimal Gold bei einer Europameisterschaft geholt, vor 2016 hatte die Auswahl des DHB auch 2004 in Slowenien triumphiert. Dazu gab es je einmal Silber (2002) und Bronze (1998). Ob nun Gold das Ziel sei? „Aber hallo“, sagte Linksaußen Lukas Mertens: „Wenn man im Halbfinale steht, willst du auch ins Finale. Ich hoffe, dass wir alle Kräfte jetzt zusammensammeln und dann am Freitag wirklich alles raushauen, was geht.“
Duell zweier Trainer aus Island
Im Halbfinale geht es gegen die von Dagur Sigurdsson betreuten Kroaten nun ausgerechnet gegen jenen Trainer, der Deutschland vor zehn Jahren zum bis dato letzten Titelgewinn geführt hatte. Gislason legte den Fokus aber ganz auf sein Team – und die Regeneration. Seine Spieler trainierten am Donnerstag lediglich individuell. Für das Finale werde man „nicht weniger Leistung bringen müssen“ wie bei der Offensiv-Gala gegen Frankreich. Im zweiten Halbfinale stehen sich ebenfalls am Freitag Topfavorit Dänemark und Island gegenüber.
Gislason warnte davor, die Kroaten zu unterschätzen. Die beiden Siege (32:29, 33:27) vor der EM bezeichnete der Isländer als „Trainingsspiele, die zählen gar nichts“. Er erwartet „sehr hartes Spiel in dem Sinne, dass die Mannschaft unwahrscheinlich über sich hinauswachsen kann. Die haben einen super Charakter und die werden mit einer riesigen Stimmung da reinkommen.“
Bilanz zwischen Deutschland und Kroatien
Die zwei letzten Partien gegen Kroatien gewann Deutschland unmittelbar vor dem EM in Zagreb und Hannover, davor verloren die DHB-Männer vier Mal. Den bisher letzte Niederlage gegen Kroatien gab es bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris – das 26:31 in der Vorrunde war die einzige deutsche Niederlage bis zum Olympia-Finale.
Zum letzten Mal auf deutschem Boden traf sich beide Teams in der Qualifikation für Paris in der ZAG Arena in Hannover: Mit dem 33:30 sicherte sich Kroatien bereits am zweiten Spieltag das Olympiaticket, Deutschland zog einen Tag später durch den Erfolg über Österreich nach. Auch die 24:30-Hauptrundenniederlage gegen die Kroaten bei der Heim-EM 2024 in Köln hatte für Deutschland keine Folgen, denn die DHB-Auswahl war schon vor dem Anwurf für das Halbfinale qualifiziert.
Kroatien feuerte nach der EM 2024 Trainer Goran Perkovac und sicherte sich Sigurdssons Dienste. Der Isländer führte das Team im Januar 2025 als WM-Co-Gastgeber bis ins Finale, das mit einer deutlichen Niederlage gegen Dänemark endete. Auf dem Weg dorthin hatten die Kroaten Ungarn im Viertelfinale und in einem legendären Spiel vor über 15.000 Zuschauer in der Arena Zagreb Frankreich im Halbfinale geschlagen.
Im aktuellen Kader der Kroaten stehen auch nach dem internationalen Karriereende des Kieler Kapitäns Domagoj Duvnjak zahlreiche aktuelle und ehemalige HBL-Profis wie zum Beispiel das Torwart-Duo Dominik Kuzmanovic (Gummersbach) und Matej Mandic (Magdeburg). Bester Werfer in den vergangenen Jahren war Ivan Martinovic, der im Sommer von den Rhein-Neckar Löwen nach Veszprém gewechselt war.
(Mit Material vom SID)
