Die DHB-Männer haben den vorzeitigen Einzug ins Halbfinale der Handball-EM 2026 verpasst. Die Mannschaft von Bundestrainer Alfred Gislason unterlag Weltmeister Dänemark in Herning 26:31 (12:13), hat ihr Schicksal im Kampf um das Halbfinale vor dem vierten und abschließenden Hauptrundenspiel am Mittwoch gegen Frankreich aber weiter in der eigenen Hand.
Deutschland verliert gegen Weltmeister Dänemark
Sie ließen kurz die Köpfe hängen. Während die Dänen-Party im Hexenkessel von Herning ihren Höhepunkt erreichte, rafften sich Kapitän Johannes Golla und Co. aber schnell wieder auf und schworen sich auf ihr Hauptrunden-Finale gegen Frankreich ein. Die Mannschaft von Bundestrainer Alfred Gislason verpasste trotz einer langen Zeit starken Leistung den vorzeitigen Einzug ins EM-Halbfinale, sie hat ihr Schicksal im Kampf um die Medaillen aber weiter in der eigenen Hand. Nach dem 26:31 (12:13) gegen Olympiasieger Dänemark reicht gegen die Franzosen bereits ein Remis zum Weiterkommen.
„Sie sind einfach extrem gut“, sagte Gislason in der ARD, lobte aber seine Abwehr gegen eine „phänomenale Mannschaft, da darf mein keine Phase haben, wo man zwei, drei, vier nacheinander verwirft. Dann ist das Spiel schon entglitten. Aber trotzdem: ein sehr gutes Spiel von den Jungs.“ Golla wurmte die Niederlage zwar, doch er war auch „stolz auf das Auftreten“ seines Teams: „Wir können erhobenen Hauptes hier rausgehen und wissen, dass wir jetzt das Finale in zwei Tagen gegen Frankreich haben.“
Deutschland bot dem Serien-Weltmeister vor 15.000 ekstatischen Zuschauern in der ausverkauften Jyske Bank Boxen lange Zeit Paroli und durfte bis zum 15:17 (42.) sogar auf eine Überraschung hoffen. Am Ende war es aber vor allem Dänen-Keeper Emil Nielsen, der das hochklassige Duell zugunsten des Favoriten entschied. Die hochgelobten Serien-Weltmeister um Welthandballer Mathias Gidsel (8 Tore) bissen sich an der deutschen Defensive um den überraschend aufgebotenen Torhüter David Späth zunächst die Zähne aus, vorne suchten Torjäger Renars Uscins und Co. unerschrocken den Abschluss. Doch je länger das Spiel dauerte, desto mehr setzte sich die individuelle Qualität der Dänen durch. Auch der in der Schlussphase eingewechselte Andreas Wolff konnte zwei Tage nach seiner Wahnsinns-Show gegen Norwegen nicht für die Wende sorgen. Zum besten deutschen Werfer avancierte am Ende Uscins mit sechs Treffern.
Gislason wartete am Montagabend mit einigen Überraschungen auf. So standen die etatmäßigen Außenspieler Lukas Mertens und Lukas Zerbe nicht im Kader, der zuletzt starke Marko Grgic begann im Rückraum für Juri Knorr und im Tor beorderte der Isländer Späth anstelle von Wolff aufs Feld. Grgic hatte zunächst zwar enormes Wurfpech, gleich drei seiner Würfe klatschten an Latte oder Pfosten, doch Deutschland führte nach einem verwandelten Siebenmeter von Nils Lichtlein schnell mit 3:1 (4.). Davon unbeeindruckt zeigten sich die Dänen – und allen voran Gidsel. Per Doppelpack sorgte der Bundesliga-Star beim 6:4 für die erste Zwei-Tore-Führung seines Teams (8.). Die DHB-Auswahl ließ sich aber nicht abschütteln. Im Angriff übernahm Uscins nun immer mehr Verantwortung und kühlte die brodelnde Arena mit seinen ansatzlosen Rückraumwürfen regelmäßig runter. „Wir spielen sehr gut nach vorne“, rief Gislason seinen Spielern in einer Auszeit beim Stand von 9:11 (24.) zu. Wolff fungierte in dieser Phase als lautstarker Antreiber von der Bank, motivierte Uscins und Co. lautstark. Während das dänische Spiel nun stockte, witterte Deutschland immer mehr seine Chance und kam nach 10:13-Rückstand (28.) noch einmal ran. Den möglichen Ausgleich vergab Lichtlein mit dem Halbzeitpfiff: Sein Siebenmeter sprang vom Pfosten zurück ins Feld.
Diese Lust war den deutschen Spielern weiterhin deutlich anzumerken. Und als Späth in der 33. Minute ein dänisches Rückraumgeschoss von Mads Hoxer mit beiden Händen fing und die Torflaute der Gastgeber auf über neun Minuten verlängerte, wackelte die Handball-Weltmacht beim Stand von 13:13 tatsächlich bedenklich. Sie fiel aber nicht, was vor allem an Dänen-Keeper Nielsen und dem irrsinnigen Tempo der Gastgeber in der Offensive lag.
Deutschland – Dänemark 26:31 (12:13).
Deutschland: Wolff, Späth – Uscins (6 Tore), Grgic (4), Köster (4), Golla (2), Häseler (2), Lichtlein (2/2 Siebenmeter), Schluroff (2), Semper (2), Dahmke (1), Knorr (1), Fischer, Kiesler, Kohlbacher, Langhoff. Norwegen: Nielsen, Kevin Moller – Gidsel (8), Pytlick (8), Jakobsen (4/3), Hoxer (3), Kirkelokke (3), Saugstrup (2), Andersson (1), Landin (1), Lauge (1), Bergholt, Hald, Hansen, Lasse Moller, Mensah. Schiedsrichter: Ivan Pavicevic, Milos Raznatovic (Montenegro). Strafminuten: 10 – 4. Zuschauer: 15.000 in Herning.
Liveticker: Deutschland gegen Dänemark
Unser Liveticker zum Hauptrunden-Spiel zwischen Deutschland gegen Dänemark beginnt am Montag, den 26. Januar 2026. Unser Tipp: Während des Spiels könnt ihr die einzelnen Aktionen mit euren Interaktionen füttern, an Umfragen teilnehmen, in einem Quiz euer Wissen testen und dadurch interaktiv an dem Spiel teilnehmen.
Wer zeigt heute Deutschland gegen Norwegen live?
Das Handball-EM-Spiel Deutschland gegen Norwegen aus Herning wird live im Free-TV in der ARD und Livestream gezeigt. Wir berichten im Liveticker!
Ein Unentschieden reicht fürs Halbfinale
Die Ausgangslage im Kampf ums Halbfinale hat sich kurz vor dem Showdown gegen Dänemark noch einmal verbessert. Weil Titelverteidiger Frankreich sein drittes Hauptrundenspiel gegen Spanien 32:36 (14:20) verlor, reicht der Mannschaft von Bundestrainer Alfred Gislason in den zwei ausstehenden Spielen am heutigen Montagabend gegen die Dänen und die Franzosen in Herning nun bereits ein Punkt zum Weiterkommen.
Ein Sieg gegen Olympiasieger und Weltmeister Dänemark würde gar den vorzeitigen Gruppensieg bescheren. Unabhängig vom Ausgang der letzten beiden Hauptrundenspiele ist Rang drei in der Gruppe bereits sicher, der zur Teilnahme am Spiel um Platz fünf am Freitag berechtigt. Die besten beiden Teams der Hautrundengruppe I erreichen das Halbfinale.
Ohne Zerbe und Mertens gegen Dänemark
Die beiden Außenspieler Lukas Zerbe (THW Kiel) und Lukas Mertens (SC Magdeburg) stehen nicht im Kader von Deutschlands Handballern für das EM-Hauptrundenspiel gegen Dänemark. Bundestrainer Alfred Gislason besäße im Duell mit dem Weltmeister und Olympiasieger damit nur jeweils eine Option auf den Außenpositionen: Auf der rechten Seite steht Mathis Häseler (VfL Gummersbach) bereit, auf der linken Rune Dahmke (THW Kiel).
Gislason hat 18 Spieler mit zur Europameisterschaft genommen und kann aus diesem Aufgebot für jedes Spiel maximal 16 Spieler nominieren. Beim 30:28 gegen Norwegen hatten zuletzt Häseler und Matthes Langhoff nicht mitwirken dürfen. Langhoff könnte nun in der Deckung gegen seinen Berliner Vereinskameraden und Welthandballer Mathias Gidsel zum Einsatz kommen.
Rechtsaußen Zerbe (4:06 Stunden) und Linksaußen Mertens (3:56) sind die zwei deutschen Spieler mit den bislang meisten Einsatzzeiten während der EM. Mertens hatte beim Duell mit Norwegen einen Schlag gegen den Kopf erlitten.
Dänemark: Maßstab des Welthandballs
Dänemark geht als absolute Turniermacht in dieses Hauptrundenspiel. Vier Weltmeistertitel in Folge zwischen 2019 und 2025 sowie die Europameistertitel 2008 und 2012 unterstreichen die Ausnahmestellung der Skandinavier. Kaum ein anderes Team hat den internationalen Handball in den vergangenen Jahren so konstant und nachhaltig geprägt wie Dänemark.
Das letzte Duell mit der deutschen Mannschaft ist noch frisch in Erinnerung und verlief aus DHB-Sicht ernüchternd. Bei der Weltmeisterschaft 2025 musste sich Deutschland in Herning deutlich mit 30:40 geschlagen geben. Vor allem Welthandballer Mathias Gidsel war kaum zu kontrollieren. Die deutsche Abwehr fand nur selten Zugriff, während Dänemark immer wieder Lösungen fand und sich früh entscheidend absetzen konnte.
Deutschland an der Tabellenspitze
Faktisch führen die DHB-Männer aktuell die Hauptrundengruppe I an. Dennoch bleibt nach den bisherigen Auftritten ein leicht mulmiges Gefühl. Überragend präsentiert sich bislang vor allem Keeper Andi Wolff, der dem Team in entscheidenden Phasen immer wieder den Rücken freihält. Der Kader ist ohne Frage stark besetzt, doch das vorhandene Potenzial wurde bislang noch nicht konstant als Mannschaft ausgeschöpft. In jedem Spiel sind es Einzelleistungen, die den Ausschlag geben, ein wirklich flüssiger Teamauftritt fehlt jedoch noch.
Nach dem Spiel gegen Norwegen wurde genau das spürbar. Bundestrainer Alfred Gislason nahm sich zunächst einen Moment der Ruhe, um das Geschehen zu reflektieren. Die Mannschaft wirkte aufgewühlt, sich der eigenen Aufgaben bewusst. Gegen absolute Top-Teams wie Dänemark und Frankreich reicht individuelle Klasse allein nicht aus. Hier braucht es gemeinsames Handeln, Präzision und Klarheit über 60 Minuten.
Dänemark steht derzeit auf Rang zwei der Gruppe. Die Skandinavier bezwangen Titelverteidiger Frankreich mit 32:29 und setzten sich auch gegen Spanien klar mit 36:31 durch. Gleichzeitig mussten sie sich jedoch Portugal mit 29:31 geschlagen geben. Ein deutliches Signal: Selbst im eigenen Land ist Dänemark nicht unverwundbar.
Spieler im Fokus: Mathias Gidsel
Mathias Gidsel ist derzeit das Maß aller Dinge im internationalen Handball. Der Rückraumspieler wurde 2023 und 2024 zum Welthandballer des Jahres gewählt und ist auch für 2025 erneut nominiert. Drei Auszeichnungen in Serie wären ein Novum in der Geschichte des Sports.
Der 26-Jährige bestätigt seine Ausnahmestellung Woche für Woche bei den Füchsen Berlin. Mit dem Hauptstadtklub gewann er die Deutsche Meisterschaft und erreichte das Finale der Champions League. Auch im Nationaltrikot sammelt Gidsel Titel am laufenden Band. Mit Dänemark wurde er zuletzt erneut Weltmeister, avancierte mit 74 Treffern zum besten Torschützen des Turniers und legte zusätzlich 45 Assists auf. Konsequenterweise wurde er als wertvollster Spieler ausgezeichnet.
Seinen internationalen Durchbruch feierte Gidsel früh. Nach seinem Debüt in der dänischen Nationalmannschaft entwickelte er sich bei der Weltmeisterschaft 2021 in Ägypten schlagartig zum Führungsspieler und hatte entscheidenden Anteil am Titelgewinn. Auch bei den Olympischen Spielen in Tokio prägte er das Turnier, gewann Silber und wurde zum MVP gewählt. Seit 2022 läuft der 1,90 Meter große Linkshänder im rechten Rückraum für die Füchse Berlin auf und ist aus der Bundesliga wie auch aus dem Weltklasse-Handball nicht mehr wegzudenken. Aber Gidsel ist nicht der einzige große Name im dänischen Team. Mit Torhüter Emil Nielsen und Rückraumspieler Simon Pytlick verfügen die Dänen über weitere Akteure von internationaler Spitzenklasse.
Dänemarks Trainer Nikolaj Jacobsen
Mindestens genauso entscheidend ist der Mann an der Seitenlinie. Trainer Nikolaj Jacobsen prägt den dänischen Erfolg seit Jahren maßgeblich. Schon als Spieler sammelte er Titel am Fließband, gewann mit dem THW Kiel mehrere Meisterschaften, DHB-Pokale und zwei EHF-Pokale. Zwischen 1998 und 2004 absolvierte er 212 Pflichtspiele für die Kieler. Auch im Nationaltrikot setzte er Maßstäbe: In 148 Länderspielen erzielte Jacobsen als Außenspieler unter anderem einmal 15 Tore in einer Partie: ein Rekord für die dänische Auswahl.
Seit 2017 steht Jacobsen nun als Nationaltrainer an der Linie und führt diese Erfolgsgeschichte nahtlos fort. Dänemark wirkt unter ihm eingespielt, selbstbewusst und taktisch reif. Diese Mischung sorgt dafür, dass die Skandinavier gerade in entscheidenden Spielen besonders gefährlich sind. Für die Deutschen heißt das: Kraft und Wille werden entscheidend sein, um sich diesem Gegner über die volle Spielzeit zu stellen.
Blickrichtung Halbfinale
Unabhängig vom Ausgang dieses Hauptrundenspiels richtet sich der Blick bereits auf die K.o.-Phase. Halbfinals und Finale finden ebenfalls in der Jyske Bank Boxen statt. Aus jeder Hauptrundengruppe qualifizieren sich die beiden besten Teams für das Halbfinale: Der Gruppensieger trifft auf den Zweiten der anderen Gruppe. Spanien kann sich nicht mehr für das Halbfinale qualifizieren, für die anderen Teams geht es nun darum, noch einmal wichtige Punkte zu sammeln.
Am Montag treffen zuerst Portugal auf Norwegen (15:30 Uhr), danach geht es weiter mit Spanien gegen Frankreich (18:00 Uhr). Den Abschluss des dritten Hauptrundenspieltags bildet das Duell Deutschland gegen Dänemark (20:30 Uhr). Der Weg zu den Medaillen führt über Herning, also direkt durch Dänemarks Wohnzimmer. Wir dürfen uns auf volle Tribünen, hitzige Fans und spannende Momente einstellen. Nach mittlerweile fünf EM-Spielen ist die Jyske Bank Boxen für die DHB-Männer längst vertrautes Terrain. Das verspricht ein aufregendes Spiel.
(KF)
