Den Flow behalten, das Viertelfinale kann kommen: Die DHB-Frauen sind nach ihrer nächsten WM-Party bereit für den Medaillenkampf. Die Mannschaft von Bundestrainer Markus Gaugisch setzte ihre Erfolgsserie auch beim Hauptrundenabschluss gegen Spanien fort und ist nach dem 29:25 (13:10) bestens gerüstet für das mit Spannung erwartete Viertelfinale am Dienstag.





Unser Liveticker: Spanien gegen Deutschland
Deutschlands Handballerinnen fiebern im WM-Viertelfinale am Dienstag einem Festtag entgegen. Der Hauptrundenabschluss gegen Spanien soll das Team im Flow halten.
DHB-Frauen bereit fürs Viertelfinale
Drei Tage vor dem Viertelfinale gegen Olympiasieger Norwegen oder den WM-Neunten Brasilien ließ die DHB-Auswahl am Samstagabend überhaupt nichts anbrennen. Auch Spanien, immerhin Vizeweltmeister von 2019, fand gegen die überragende deutsche Defensive kein Mittel. Und wenn doch mal ein Ball Richtung Tor kam, war wie zuletzt oft die bärenstarke Torfrau Katharina Filter zur Stelle. Zu den besten DHB-Werferinnen avancierten Rückraumspielerin Emily Vogel mit sechs und Kapitänin Antje Döll mit fünf Treffern.
Das deutsche Team agierte erneut vor allem in der Abwehr bärenstark. Während Spanien große Mühe hatte, überhaupt zum Abschluss zu kommen, kombinierten sich Emily Vogel und Co. immer wieder sehenswert durch die gegnerischen Reihen. Als Döll mit ihrem dritten Tor im dritten Versuch zum 6:2 (13.) verwandelte, sprangen die Zuschauer begeistert von den Sitzen.
Deutschland blieb am Drücker und baute den Vorsprung auch dank Filter sukzessive aus. 50 Prozent gehaltene Bälle standen bei der Keeperin fünf Minuten vor der Halbzeitpause in der Statistik, auf der Anzeigetafel prangte ein 12:6. Dass Spanien nach vier Treffern in Serie plötzlich bis auf zwei Tore herankam, wurmte Gaugisch sichtlich.
Letzte Zweifel an Sieg Nummer sechs verflüchtigten sich zu Beginn des zweiten Durchgangs schnell. Ein 4:0-Lauf sorgte für ein beruhigendes Polster (17:10). Gaugisch wechselte wie im ganzen Turnierverlauf jetzt viel durch – ohne, dass dabei ein Bruch ins Spiel kam. Als Spanien kurz vor dem Ende doch noch einmal auf 24:27 (56.) verkürzte, nahm Gaugisch eine Auszeit und beruhigte sein Team. Mit Erfolg, der Sieg geriet nicht mehr in Gefahr.
Spanien – Deutschland 25:29 (10:13).
Spanien: Morale Claure, Prades Ricondo – So Delgado Pinto (10), Álvarez Torrado (4/1 Siebenmeter), Echeverria Martínez (3), Lyndie Tchaptchet Defo (2), Oppedal Weichbrodt (2), Somaza Bosch (1), Bengoetxea Erriondo (1), Fernández Fraga (1/1), Lysa Tchaptchet Defo (1), Gassama Cissokho, Arroyo Pimienta, Gutiérrez Bermejo, Vegué i Pena, Arcos Poveda. Deutschland: Filter, Wachter – Vogel (6), Döll (5), Lott (4), Engel (4/2), Antl (3), Kühne (3), Leuchter (2), Hauf (1), Grijseels (1), Smits, Maidhof, Behrend, von Pereira, Steffen. Schiedsrichter: Hansen (Dänemark), Madsen (Dänemark). Strafminuten: 4 – 6. Zuschauer: 10.522 in Dortmund.
Markus Gaugisch: „Keinen Zentimeter vom Gas“
Auch Bundestrainer Markus Gaugisch hält nach dem 36:18 (16:6) gegen Montenegro, dem fünften deutlichen Sieg im fünften WM-Spiel, nichts von einer neuen Herangehensweise. „Wir werden keinen Zentimeter vom Gas gehen“, versprach der Coach. Wenn niemand verletzt ist, müsse man Niemanden schonen und können den Rhythmus weiter gehen. „Wir haben nichts zu verschenken. Wir wollen Spanien schlagen und werden keinen Millimeter zurückziehen“, so Gaugisch: „Es gibt nichts zu verschenken. Denn nichts schweißt eine Mannschaft besser zusammen als Siege.“ Gegner Spanien hat bisher erst drei seiner fünf WM-Spiele gewinnen können und dabei überraschend in der Vorrunde gegen die Debütianinnen von den Färöer Inseln (25:27) und in der Hauptrunde gegen Serben (29:31) verloren.
Die Dortmunder Westfalenhalle wird gegen Spanien erstmals im Turnierverlauf mit mehr als 10.000 Zuschauer*innen ausverkauft sein. Für das Viertelfinale am Dienstag gibt es hingegen noch Restkarten. „Wir wollen den Zuschauern etwas bieten. Wir möchten den Flow aufrechterhalten und weiter Spaß haben“, sagte BVB-Spielerin Alina Grijseels.
Erstes WM-Spiel der DHB-Frauen im Free-TV
Auf wen Deutschland im Viertelfinale am Dienstag trifft, steht bislang nicht fest. Realistische Gegner sind Olympiasieger Norwegen, der WM-Neunte Brasilien oder Afrikameister Angola. Einen Lieblingsgegner haben Filter und Co. nicht. „Wir machen einfach unseren Job und gucken, wer kommt. Vieles ist möglich“, sagte Torhüterin Katharina Filter, die mit elf Paraden und drei eigenen Toren gegen Montenegro überragt hatte.
Für das Viertelfinale steigen die öffentlich-rechtlichen Sender in die Live-Berichterstattung ein, das ZDF überträgt die Partie am Dienstag aus der Westfalenhalle. „Dortmund und ganz Handball-Deutschland kann sich jetzt endgültig auf einen großartigen Dienstag freuen. Dieses Viertelfinale in der Dortmunder Westfalenhalle wird das größte Heimspiel für den deutschen Frauenhandball seit der Heim-WM 1997 sein“, sagte Mark Schober, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Handballbundes. Und Rückraumspielerin Viola Leuchter meinte: „Wenn das so weiter geht, wird das bestimmt noch eine geile Zeit.“ Sie grinste breit.