Länderspiel: Deutschland siegt bei EM-Generalprobe gegen Kroatien

Die Handball-Fans in Hannover verabschiedeten die DHB-Männer mit Standing Ovations, auf dem Feld schworen sich Torhüter Andreas Wolff und Co. nach ihrer bärenstarken Generalprobe im Kreis auf die Mission bei der Handball-EM 2026 ein. „Wir haben ein sehr gutes Spiel gemacht – insbesondere defensiv“, sagte der überragende Wolff nach dem 33:27 (16:12) gegen Vizeweltmeister Kroatien. Und Rückraumspieler Julian Köster meinte: „Das ist gut fürs Gefühl.“

Wer zeigt heute Deutschland gegen Kroatien live?
Das Länderspiel Deutschland gegen Kroatien aus Hannover wird live im Free-TV in der ARD-Sportschau und im kostenlosen Livestream auf sportschau.de gezeigt.

Nach zweitem Kroatien-Sieg bereit für EM-Mission

Angeführt von Wolff unterstrich die Mannschaft von Bundestrainer Alfred Gislason mit einer besonders in der Defensive richtig starken Vorstellung ihre Ambitionen für das Turnier ab dem kommenden Donnerstag in Dänemark. „Ich finde es super, dass wir so viele gute Abwehrjungs dabeihaben. Das ist für den Gegner schwer auszurechnen. Es macht Spaß, Abwehr zu spielen“, sagte Köster. Gislason lobte in der ARD „besonders“ die Defensive und eine „überragende“ Torhüterleistung: „Ich bin sehr zufrieden. Die Jungs haben wirklich viel Charakter gezeigt.“

Glänzte im ersten Test gegen die Kroaten drei Tage zuvor in Zagreb (32:29) noch David Späth zwischen den Pfosten, war es diesmal Wolff, der die 10.427 Zuschauer in der ausverkauften Arena mit etlichen spektakulären Paraden von den Sitzen riss. Zu den besten Torschützen avancierten Lukas Zerbe und Renars Uscins mit je fünf Treffern. „Wir haben zwei absolute Härtetests mit Bravour bestanden“, sagte Kapitän Johannes Golla. Auch Spielmacher Juri Knorr war „optimistisch“: „Wir müssen uns vor keiner Mannschaft verstecken.“

Am Sonntag dominierte die DHB-Auswahl von Beginn an. Wolff parierte direkt einen Ball nach dem anderen, darunter auch einen Siebenmeter, so dass die Kroaten erst nach fünf Minuten ihren ersten Treffer erzielten. Zwar kamen die Gäste anschließend besser ins Spiel und gingen beim 4:5 (11.) durch Luka Cindric sogar erstmals in Führung. Deutschland ließ sich davon aber nicht beeindrucken. Vor allem die Abwehr, die Gislason in unterschiedlichen Besetzungen spielen ließ, war so ganz nach dem Geschmack des Trainers. „Sehr gut“, lobte der Isländer in einer Auszeit. Und auch im Angriff setzte Deutschland nun einige Glanzpunkte. Auf dem Flügel zeigte sich Mertens in dieser Phase treffsicher, am Kreis lief nun Justus Fischer heiß. Erst sorgte der Hannoveraner Lokalmatador für die erste Drei-Tore-Führung (24.), wenig später schraubte er das Ergebnis mit einem gefühlvollen Heber auf 13:9 (25.). Und als Wolff kurz vor der Pause höchstselbst mit einem Wurf über das gesamte Feld in das verwaiste Tor auf 16:11 stellte, stand die Arena endgültig kopf.

Im zweiten Durchgang bot sich zunächst ein ganz anderes Bild. Kroatien legte einen Blitzstart hin und glich in nur fünf Minuten aus (17:17). „Der alte Mann muss es richten“, sagte Jogi Bitter im ARD-Kommentar beim nächsten parierten Siebenmeter von Wolff. Und so kam es: Das deutsche Team blieb cool und entschied das Spiel auch dank Wolffs Paraden für sich. Gislason wechselte wie schon im ersten Kroatien-Test munter durch. Nicht zum Einsatz aus dem 18er-Kader kam allerdings wie schon am Donnerstag in Kroatien Linksaußen Rune Dahmke. Der DHB kann bis zu 18 Spieler für das Turnier melden, aus denen für die jeweiligen Partien am Spieltag 16 ausgewählt werden müssen.

Deutschland – Kroatien 33:27 (16:12).
Deutschland: Wolff (1), Späth – Uscins (5), Zerbe (5/4 Siebenmeter), Mertens (4), Knorr (3), Lichtlein (3), Fischer (2), Golla (2), Häseler (2), Köster (2), Semper (2), Langhoff (1), Schluroff (1). Kroatien: Kurzmanovic (1), Mandic (2) – Glavas (4/1), Martinovic (3), Nacinovic (3), Sostaric (3), Jelinic (2), Klarica (2), Lucin (2/1), Pavlovic (2), Cindric (1), Simic (1), Srna (1). Zuschauer: 10.427 in Hannover.

Schwung der Generalpropbe für EM nutzen

Den Härtetest in Kroatien haben Deutschlands Handballer mit Bravour bestanden. Nun will Trainer-Jubilar Alfred Gislason mit seinem Team in der Generalprobe zusätzlichen Schwung für die Medaillen-Mission bei der EM aufnehmen. „Um den morgigen Tag zur Regeneration zu nutzen, haben wir uns für die direkte Weiterfahrt per Bus entschieden“, erklärte Chatton. Schon der Abflug aus Zagreb hatte sich verzögert, Hannover wäre wegen des Schneechaos im Norden Deutschlands erst am Samstagabend per Flugzeug erreichbar gewesen. So kam die Mannschaft immerhin knapp einen Tag früher am Ziel an, um 23.34 Uhr traf sie – nach womöglich ein paar Anekdoten von Jubilar Alfred Gislason während der Fahrt – in der niedersächsischen Landeshauptstadt ein.

Zu berichten hatte Gislason am Freitag von seinem 100. Länderspiel, dem 32:29-Erfolg gegen den WM-Zweiten Kroatien im Hexenkessel von Zagreb, tatsächlich allerhand Positives. Die starke Abwehr, das tollkühne Tempospiel und vor allem die famose Leistung von Torhüter David Späth – eine Woche vor Beginn der Medaillen-Mission bei der EM in Dänemark präsentierte sich das deutsche Team in Turnierform.

„Mit der Leistung bin ich sehr zufrieden, auch wenn wir deutlich zu viele technische Fehler im Angriff gemacht haben“, sagte Gislason. Dass der erste Sieg gegen die Kroaten in seiner inzwischen sechsjährigen Amtszeit (65 Siege, sieben Remis, 28 Niederlagen) ausgerechnet im Jubiläumsspiel gelingt, passte perfekt. „Schön“, befand der Isländer kurz und knapp – und widmete sich direkt der Vorbereitung der EM-Generalprobe am Sonntag. Beim Wiedersehen mit den Kroaten in Hannover soll das gute Gefühl vor den eigenen Fans schließlich unbedingt beflügelt werden und Kapitän Johannes Golla dann wieder mit dabei sein, nachdem er am Samstag kurzfristig aus privaten Gründen abreiste.

Gislason freut sich über Weltklassepaar im Tor

Torhüter Andreas Wolff dürfte in Hannover zum Einsatz kommen. Der Europameister von 2016 durfte am Donnerstag von der Bank aus zusehen, wie sein Torhüterkollege vor 15.200 Zuschauern mit 14 Paraden und einer ganz starken Schlussphase glänzte. „Aus einem Riesentalent ist ein Weltklassetorwart geworden“, schwärmte Gislason am Freitag, wohlwissend, mit Wolff und Späth das beste Gespann aller EM-Starter in den eigenen Reihen zu wissen.

„Ich freue mich riesig, dieses Weltklassepaar zu haben“, so Gislason über seine beiden „extrem starken Torhüter“, die in den zu erwartenden Krimi-Duellen in Dänemark den Unterschied ausmachen könnten. „Das Gute für uns: Sie sind unterschiedlich von der Veranlagung.“

Späth genoss das Gefühl des bestandenen Stresstests vor gegnerischer Kulisse („fühlt sich sehr, sehr gut an“), er richtete den Blick aber direkt auf Spiel Nummer zwei am Sonntag. „Es gibt immer Sachen, die man verbessern kann“, sagte Späth. Auch wenn man „schon vieles richtig gut gemacht“ habe, „dürfen diese Phasen nicht passieren, wo wir die Führung direkt am Anfang der zweiten Halbzeit hergeben. Da müssen wir hinschauen und dran arbeiten.“

Gislason blickte optimistisch nach vorn. „Wir haben mehr Breite jetzt als oft zuvor, mehr Innenblockmöglichkeiten in der Abwehr – das hilft uns natürlich sehr“, sagte er. Dies dürfte bereits am Sonntag, aber noch viel mehr in der kniffligen Vorrundengruppe A mit Österreich (15. Januar), Serbien (17. Januar) und Spanien (19. Januar) viel wert sein. Spätestens aber in der Hauptrunde, wo unter anderem Olympiasieger Dänemark und Titelverteidiger Frankreich warten dürften.

Vergleiche mit Kroatiens Handballern

Dafür sollen die nächsten Vergleiche mit Kroatien der Auftakt sein: Die vier vergangenen Partien gegen Kroatien verlor Deutschland. Den bisher letzten Vergleich mit Kroatien gab es bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris – das 26:31 in der Vorrunde war die einzige deutsche Niederlage bis zum Finale; Kroatien brachte der Sieg indes nicht viel, denn durch die finale Vorrundenniederlage gegen Spanien verpasste das Team von Ex-Bundestrainer Dagur Sigurdsson den Einzug ins Viertelfinale.

Zum letzten Mal auf deutschem Boden traf sich beide Teams in der Qualifikation für Paris just in der ZAG Arena in Hannover: Mit dem 33:30 sicherte sich Kroatien bereits am zweiten Spieltag das Olympiaticket, Deutschland zog einen Tag später durch den Erfolg über Österreich nach. Auch die 24:30-Hauptrundenniederlage gegen die Kroaten bei der Heim-EM 2024 in Köln hatte für Deutschland keine Folgen, denn die DHB-Auswahl war schon vor dem Anwurf für das Halbfinale qualifiziert.

Kroatien feuerte nach der EM 2024 Trainer Goran Perkovac und sicherte sich Sigurdssons Dienste. Der Isländer führte das Team im Januar 2025 als WM-Co-Gastgeber bis ins Finale, das mit einer deutlichen Niederlage gegen Dänemark endete. Auf dem Weg dorthin hatten die Kroaten Ungarn im Viertelfinale und in einem legendären Spiel vor über 15.000 Zuschauer in der Arena Zagreb Frankreich im Halbfinale geschlagen.

Im aktuellen Kader der Kroaten stehen auch nach dem internationalen Karriereende des Kieler Kapitäns Domagoj Duvnjak zahlreiche aktuelle und ehemalige HBL-Profis wie zum Beispiel das Torwart-Duo Dominik Kuzmanovic (Gummersbach) und Matej Mandic (Magdeburg). Bester Werfer in den vergangenen Jahren war Ivan Martinovic, der im Sommer von den Rhein-Neckar Löwen nach Veszprém gewechselt war.

Viertes Länderspiel gegen Kroatien in Hannover

Das Länderspiel am 11. Januar 2026 wird bereits der vierte Vergleich mit Kroatien in der ZAG Arena: Beim Tag des Handballs am 26. Oktober 2019 feierte die deutsche Nationalmannschaft auch den bisher letzten Sieg mit einem hauchdünnen 24:23, nachdem man – ebenfalls eine Parallele zum Januar 2026 – drei Tage zuvor das Hinspiel in Zagreb bestritten hatte, das mit 26:25 ebenfalls erfolgreich geendet war. Das erste Duell mit Kroatien in der ZAG Arena gab es beim World Cup 2006 – damals mit einer 27:30-Niederlage für die DHB-Auswahl.

Insgesamt bestritt die deutsche Männer-Nationalmannschaft 15 Länderspiele in der für die Expo 2000 gebauten Arena in Hannover. Mit acht Siegen, einem Remis und sechs Niederlagen ist die Bilanz positiv. Nach der Olympia-Qualifikation gab es ein weiteres Länderspiel in Hannover: das 31:26 gegen Österreich in der EM-Qualifikation am 15. März 2025. Bei der Männer-WM 2027 ist die ZAG Arena Spielort von zwei Hauptrundengruppen.

Bilanz zwischen Deutschland und Kroatien

Die Bilanz der Handball-Nationalmannschaften zwischen Deutschland und Kroatien: 33 Spiele – 14 Siege – 4 Remis – 15 Niederlagen – Tordifferenz 854:842.

Die letzten sechs Spiele beider Teams:

  • 31.07.2024, Olympia-Vorrunde in Paris: Deutschland – Kroatien 26:31 (13:15)
  • 16.03.2024, Olympia-Qualifikation in Hannover: Deutschland – Kroatien 30:33 (10:16)
  • 24.01.2024, EM-Hauptrunde in Köln: Deutschland – Kroatien 24:30 (14:13)
  • 18.01.2020, EM-Hauptrunde in Wien: Deutschland – Kroatien 24:25 (14:11)
  • 26.10.2019, Testspiel in Hannover: Deutschland – Kroatien 24:23 (11:13)
  • 23.10.2019, Testspiel in Zagreb: Kroatien – Deutschland 25:26 (12:13)

(Mit Material vom SID)

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