Handball-EM 2026: Vorbereitung und Testspiele der DHB-Männer

Deutschlands Handballer nehmen ihre Vorbereitung für die Handball-EM 2026 in Dänemark, Schweden und Norwegen auf. Der vergleichsweise späte Beginn der Vorbereitung soll neue Kräfte freisetzen, die Testspiele gegen Kroatien in Zagreb und Hannover den Start in den EM-Rhythmus bedeuten.

„EM-Start“ für DHB-Team in Kroatien

Die knifflige EM-Mission beginnt erst in der kommenden Woche, der gefühlte Startschuss für die Europameisterschaft fällt für Deutschlands Handballer aber bereits am Donnerstag, den 8. Januar 2026, im Hexenkessel von Zagreb. „Wir müssen diese zwei Spiele gegen Kroatien so angehen, als wären sie Teil der EM sein“, forderte Bundestrainer Alfred Gislason.

Der erste von zwei Stresstests gegen den Vizeweltmeister steigt in der 15.000 Zuschauer fassenden Arena im Herzen Kroatiens, wo vor heißblütigen Zuschauern direkt Höchstleistung gefordert ist. „Wer die kroatischen Fans kennt, weiß, dass die Atmosphäre in der Regel auch durchaus hitzig sein kann“, sagte DHB-Teammanager Benjamin Chatton am Mittwoch und verglich die riesige Halle mit der deutschen EM-Spielstätte Jyske Bank Boxen in Herning. Man erwarte einen „Top-Gegner“.

Den „Angstgegner“, gegen den Deutschland die vergangenen vier Duelle allesamt verloren hat, haben sich die Verantwortlichen ganz bewusst ausgewählt, schließlich geht es auch beim EM-Turnier ab dem 15. Januar in Dänemark Schlag auf Schlag. „Ich hoffe, dass die Halle uns ausbuht, dass sie gegen uns sehr körperlich spielen, wir richtig Probleme bekommen. Denn dann haben wir noch Zeit, Fehler zu machen, aber direkt Lösungen zu finden“, sagte Rückraumspieler Renars Uscins im ZDF, bevor es mit dem Flieger von Hannover via Frankfurt in die kroatische Hauptstadt ging. Für den frühen Mittwochabend war noch ein Abschlusstraining in Zagreb vorgesehen.

Wer auf den olympischen Silber-Coup und das Viertelfinal-Aus bei der WM im Vorjahr blickt, kann aber zum Schluss kommen: Ein steiniger Turnierweg liegt einer deutschen Mannschaft mehr als ein „Steigerungslauf“ auf zunächst flachem Terrain. In Frankreich bezwang Deutschland bereits in der Gruppenphase unter anderem Schweden und Spanien, bei der Weltmeisterschaft 2025 gab es auf dem Weg in die K.o.-Phase auf dem Papier erst bei der Hauptrunden-Niederlage gegen die Dänen einen echten Härtetest – und im Viertelfinale dann die Ernüchterung gegen Portugal.

Schon gegen das von Ex-Bundestrainer Dagur Sigurdsson trainierte Kroatien, mit dem es am Sonntag im Rahmen der Generalprobe in Hannover zum Wiedersehen kommt, gehe es daher darum, „sich möglichst schnell schon auf dieses Niveau hochzupimpen“, sagte Chatton. Man habe sich zudem „bewusst für ein Auswärtsspiel entschieden, um nicht nur die Wohlfühlatmosphäre zu Hause zu haben“. Er betonte am Mittwoch aber auch: „Für beide Mannschaften steht weniger das Ergebnis als die Entwicklung in dieser Phase der Vorbereitung im Fokus.“

Verspätete Anreise einiger Handballer in Hannover

Julian Köster musste im niedersächsischen Wunstorf spontan in eine S-Bahn umsteigen, Nils Lichtlein und Matthes Langhoff strandeten kurzzeitig in Wolfsburg, und Rune Dahmke hing zunächst am Amsterdamer Flughafen fest. Deutschlands Handballer starteten ihre EM-Vorbereitung am Sonntag, den 4. Januar 202, im verschneiten Hannover mit witterungsbedingten Verzögerungen. „Der ICE fuhr nicht mehr weiter, aber zum Glück gab es noch eine S-Bahn, es hat dann ein bisschen länger gedauert, jetzt bin ich aber hier“, sagte Köster nach seiner Ankunft.

Etliche der 18 Spieler wurden erst mit Verspätung im vornehmen Sheraton Hannover Pelikan Hotel erwartet. Die kleinen Anreiseschwierigkeiten sollen für das Team von Bundestrainer Alfred Gislason aber kein schlechtes Omen sein. Als „Kopiervorlage“ für das angestrebte Wintermärchen dienen vielmehr die deutschen Frauen mit ihrem Silber-Coup bei der Frauen-WM 2025 in Deutschland und den Niederlanden. Tatsächlich dient das Selbstverständnis, das die Mannschaft von Bundestrainer Markus Gaugisch während der WM-Wochen aufgebaut hat, als Blaupause für die Männer. „Wir wollen das gerne kopieren, möglichst weit im Turnier kommen und möglichst viel von diesem Spirit, den sie hatten, auch für uns entwickeln“, sagte Nationalmannschaftsmanager Benjamin Chatton.

Gislason war bereits am Samstag in der niedersächsischen Landeshauptstadt eingetroffen. Der 66-Jährige verspürt vor seinem achten Turnier mit der DHB-Auswahl zwar Druck – allerdings nur „den, den ich mir selbst mache. Druck von außen spüre ich nicht“, verriet der Isländer im Interview mit der Bild am Sonntag. „Der interessiert mich auch nicht. Ich bin so lange dabei. Und habe viele Tiefen, aber viel, viel mehr Höhen erlebt. Ich bin einfach dankbar, meine absolute Leidenschaft als Job zu haben, und genieße die Arbeit mit den Jungs.“

„Mehr Grund für Zuversicht“: Ausgeruhte Handballer starten EM-Vorbereitung

Erst drei Tage nach dem Jahreswechsel rief der DHB-Coach seine 18 Auserwählten in Hannover zur Vorbereitung auf die Europameisterschaft zusammen. „Wir lassen die Spieler sich diesmal ein bisschen länger ausruhen“, sagte Gislason zu der bewussten Entscheidung für die rund einwöchige Verschnaufpause nach dem Jahresabschluss in der Bundesliga. Diese zahlt sich offenbar aus.

Es gebe „mehr Grund, zuversichtlich zu sein“, sagte Benjamin Chatton. Vor einem Jahr hatte Gislason in Vorbereitung auf die WM „kurzfristige Ausfälle managen“ und „zudem etliche Pläne für verletzte und angeschlagene Spieler basteln“ müssen, erinnerte sich der Manager der DHB-Männer: „Das sieht Stand jetzt besser aus. Auch der in den vergangenen Spielen noch verletzt pausierende Justus Fischer – um einen Namen zu nennen – ist auf einem guten Weg.“

Der Kreisläufer von der TSV Hannover-Burgdorf war Mitte Dezember in den Kader berufen worden, obwohl er nur kurz zuvor einen Muskelfaserriss im linken Oberschenkel erlitten hatte. Nun sei der Status bei allen Spielern „durchgehend grün oder sagen wir besser nicht rot. Und das ist beim Programm der vergangenen Wochen schon ein erfreuliches Signal. Wir freuen uns auf eine wahrscheinlich vollständige Formation“, sagte Chatton.

Spielplan mit starken EM-Gegnern

Personelle Sorgen kann das deutsche Team angesichts der bevorstehenden Kracherduelle im dänischen Herning nicht gebrauchen. Österreich (15. Januar), Serbien (17. Januar) und Spanien (19. Januar) warten in der kniffligen Vorrunde, in der Hauptrunde folgen dann drei echte Hochkaräter: Olympiasieger und Weltmeister Dänemark, Titelverteidiger Frankreich, der WM-Vierte Portugal oder Co-Gastgeber Norwegen kommen als realistische Gegner infrage. Sein achtes Turnier, sagte Gislason, sei das „härteste“ in seiner Amtszeit als Bundestrainer.

Und dennoch. „Ziel ist das Halbfinale“, sagte der 66-Jährige, der in Dänemark auch Argumente für eine Vertragsverlängerung (bislang bis 2027) sammeln will. „Ich vertraue unserer Mannschaft. Sie ist sehr gut und kann ein super Turnier spielen. Wir haben mehr Breite als oft zuvor.“ Zudem sei der Kern seines Teams seit drei Jahren zusammen und habe „immer mehr Erfahrung“ gesammelt: „Daher denke ich, dass wir uns vor keinem Gegner verstecken müssen.“

Härtetest und Generalprobe gegen Kroatien

Das will das Team um Kapitän Johannes Golla schon in den letzten Härtetests demonstrieren: Am Donnerstag, 8. Januar 2026, steht in Zagreb der erste von zwei Tests gegen Vizeweltmeister Kroatien an. Drei Tage später kommt es am 11. Januar in Hannover im Rahmen der Generalprobe zum Wiedersehen mit den Kroaten.

„Das sind keine üblichen Vorbereitungsspiele, es geht schon sehr gnadenlos los. Diesen Rhythmus müssen wir danach beibehalten“, sagte Gislason. „Diesmal geht keiner von den Spielern mit Stress in dieses Turnier, sondern mit Vorfreude, etwas erreichen zu wollen und vor allem zu können.“

(Mit Material vom SID)

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